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Beitrag von HC Ahlmann

 
Die Zeithstraße ist stellenweise schmal und hat eine mittlere Steigung von über 3% zwischen Brandstr. und höchstem Punkt, die bei Fahrzeugen ohne Motor für ein niedriges Tempo und damit viele Überholvorgänge durch Kraftfahrzeuge sorgt. Zudem erfordert §5 (4) StVO einen Seitenabstand von mindestens 1,5m beim Überholen und die Rechtsprechung fordert mindestens 2m bei stark schwankenden Radfahrern an Steigungen oder bei Kindern (Schulweg zum Anno). Talwärts rollt man mit einem Fahrrad leicht 30 km/h, auch 50km/h sind ohne Anstrengung zu erreichen (z.B. Schüler/-innen vom Anno), aber nicht jedermanns Geschmack – in jedem Falle gibt es talwärts weniger Überholvorgänge und weniger vermeintliche Behinderung des Kraftverkehrs durch Langsamverkehr, weil die Geschwindigkeitsdifferenz kleiner ist.

Der Straßenquerschnitt sollte also neben beidseitigen Gehsteigen nur bergwärts eine Radverkehrsanlage in Regelbreite statt Mindestbreite erhalten. Die Radverkehsanlage muss ein eigener Straßenteil wie Hochbord (mit Vz.241, nicht Vz.240) oder Radfahrstreifen (Vz.237, Abtrennung mit Breitstrich, Verbot für Kfz) sein, damit Passieren von Fahrrädern kein Überholen ist und der Konflikt nicht auf Radfahrer und Fußgänger auf einem Hochbordweg verlagert wird. Ein Schutzstreifen wie auf Luisen-, Kaiser- oder Wolsdorfer Str ist Teil der Fahrbahn (=> Überholabstände nach §5 (4) StVO) und taugt daher nicht für die Bergfahrt.

Talwärts sollte der Radverkehr ohne(!) Schutzstreifen auf der Fahrbahn geführt werden. Ein Tempolimit unter 50km/h wäre erwägenswert, um antriebsloses Rollen von Kfz zu ermöglichen und Überholen von einspurigen Fahrzeugen unnötig zu machen, ebenso die Anordnung eines Verbots, einspurige Fahrzeuge zu überholen (Vz.277.1). Schutzstreifen führen zu Revierverhalten, bei dem Radfahrer in "ihren" Bereich gedrängt werden oder sich dort vermeintlich gut geschützt aufhalten – aber talwärts rollend zu erreichende Geschwindigkeit erfordert mehr Raum in Kurven oder Verschwenkungen. Statt also permanent durch Streifen festzuschreiben, wer talwärts wo fahren darf, ist die zeitlich eng begrenzte Inanspruchnahme jedes Verkehrsteilnehmer bei freier Wahl im Fahrstreifen die flexiblere Lösung, deren Sicherheit aus viel Raum und gegenseitiger Rücksichtnahme gewonnen wird.

Diese Trennung mit Radverkehrsanlage bergwärts und gemeinsamer Führung des Fahrzeugverkehrs talwärts entspricht der Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA 2010), 3.8. In der ERA 2010 findet man unter 3.6, dass gemeinsame Geh- und Radweg bei Steigungen über 3% nicht angelegt werden sollen. Die ERA 2010 ist in NRW verbindlich bei der Neuanlage oder grundlegenden Umgestaltung von Straßen mit Radverkehrsanlagen anzuwenden.

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